Pro Jahr werden mehr als 115 Millionen Tiere in Laboren auf der ganzen Welt [1] eingesetzt, rund 12 Millionen dieser Tiere werden allein in Laboren in der Europäischen Union [2] verwendet.
Die Richtlinie des Rates 86/609/EEC für den Schutz von Tieren für experimentelle und andere wissenschaftliche Zwecke ist die europäische Gesetzgebung, die Tierversuche steuert. Diese Richtlinie ist über 20 Jahre alt und muss dringend aktualisiert werden, um Tiere in Laboren besser schützen zu können und einen endgültigen Ersatz für die Tiere durch fortschrittlichere und humanere Alternativen zu erreichen. Jetzt wurde ein überarbeitetes Gesetz vorgeschlagen.
Gutachten und Meinungsumfragen zeigen deutlich, dass die Öffentlichkeit einen besseren Tierschutz verlangt; 79% der EU Bürger glauben, dass es auf europäischer Ebene nicht ausreichend öffentliche Mittel für die Entwicklung und Erprobung von alternativen Methoden zum Ersetzen von Tierversuchen [3] gibt. Das neue EU Gesetz sollte diesen hohen Anteil des öffentlichen Interesses widerspiegeln und die Bestimmungen des Amsterdamer Protokolls einbinden, wonach die EU verpflichtet ist, ihre gesamte Aufmerksamkeit ihrer Forschungspolitik im Bereich des Tierschutzes zu verwenden.
Der Nutzen für Mensch und Tier, der Ersatz von nicht zufriedenstellenden Tierversuchen mit sachbezogeneren und zuverlässigeren tierversuchsfreien Methoden sollte unser ultimatives Bestreben sein. Die Änderung der Richtlinie 86/609 gibt Europa die Möglichkeit, weltweit die Spitzenposition in der Entwicklung von tierversuchsfreien Alternativen einzunehmen und zu erreichen, dass die EU eine gezielte und entsprechend finanzierte Strategie benötigt, die diese Umsetzung der Alternativen zum Kern des neuen Gesetzes hat.
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1. Taylor K., Gordon N., Langley G., Higgins W. (2008) Estimates for Worldwide Laboratory Animal Use in 2005. Alternatives to Laboratory Animals (ATLA), 36(3):327-342 – A PDF of the paper is available on request.
2. Fifth Report from the Commission to the Council and the European Parliament on the Statistics on the number of animals used for experimental and other scientific purposes in the member states of the European Union COM/2007/675 final.
3. European Commission 2006 survey

2008 veröffentlichte die Europäische Kommission einen Vorschlag, um die europäische Richtlinie 86/609/EEC zu aktualisieren. Diese enthält einige positive Maßnahmen, die bei Einhaltung zu bedeutenden Verbesserungen führen können. Dennoch fehlt es dem aktuellen Vorschlag in anderen Bereichen an ausreichend Ambition.
Unsere Organisationen – VIER PFOTEN und der Humane Society International – engagieren sich für die Abschaffung von jeglichen Tierversuchen. Trotzdem ist es auch wichtig, dass solange noch nicht alle Tierversuche verboten sind, die durchgeführten Versuche strikt kontrollierten Standards unterliegen und es aktive Überlegungen für deren Ersatz gibt.
Durch gezielte, konstruktive und detaillierte Arbeit an den Bestimmungen versuchen wir drei Hauptbereiche im Vorschlag zu verstärken:
- verbesserter Schutz von Labortieren
- Transparenz, Rechenschaftspflicht und Vollstreckung
- Tierversuche durch tierversuchsfreie Tests abzulösen
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Fortschrittliche, tierversuchsfreie Tests sind jetzt auf dem neuesten Stand der Medizinforschung. Tierversuche werden durch eine Reihe von alternativen Methoden ersetzt, die nicht selten billigere, schnellere, einfühlsamere, anpassungsfähigere und effizientere Formen darstellen und bereits jetzt schon Leben retten.
Immer mehr unabhängige wissenschaftliche Berichte bestätigen, dass viele Tierarten, die für die Untersuchung von menschlichen Krankheiten eingesetzt werden, unzuverlässige Ergebnisse liefern. Darunter zählen Multiple Sklerose, Schlaganfälle, Rheumatoidarthritis, Parkinson, Alzheimer sowie Lungen-, Hirn und Darmkrebs.
Das Gleiche gilt für Unbedenklichkeitsprüfungen: Die meisten Tierversuche sind zwar nie offiziell bestätigt worden, gelten aber noch immer als wissenschaftliche Grundlagen, trotzt gut fundierter und ernsthafter Mängel.
Um die Gesundheit von EU Bürgern besser schützen zu können, muss die Forschungs- und Prüfungsqualität verbessert werden. Fortschrittlichere und tierversuchsfreie Methoden erreichen oftmals bessere Ergebnisse als Tierversuche. Es gibt ein überragendes Angebot an Möglichkeiten um Tierversuche zu ersetzen, sowie Zell- und Gewebekulturen, 3-D Modelle von menschlichen Krankheiten, Molekularstudien, Genanalysen, computergesteuerte Modellerstellung, weiterentwickelte Bildgebungstechniken, Autopsien, Epidemiologie (Bevölkerungsstudien) sowie ethische klinische Untersuchungen an freiwilligen Patienten und gesunden Probanden.
Viele der Methoden sind bereits verfügbar, aber viele weitere werden dringend gebraucht. Eine gezielte Strategie, die auch beträchtliche Investitionen in die Entwicklung von Ersatztechnologien in allen aktuellen Bereichen der Tierversuche umfasst, muss ein wesentlicher Bestandteil der überarbeiteten Richtlinie 86/609 sein.
Für eine ausführlichere Beschreibung der tierversuchsfreien Testalternativen klicken Sie hier.